Am grünen Tisch entschieden?

Wie Bürokratie den Fairplay-Gedanken im Amateurfußball bedroht

Ein Kommentar zur aktuellen Situation in der Kreisliga A und dem bevorstehenden Nachholspiel zwischen dem FC Pesch II und dem ESV Olympia Köln.

Liebe Fans, Mitglieder und Freunde des SC West Köln,

im Amateurfußball sollte das sportliche Ergebnis immer auf dem Rasen entschieden werden – durch Schweiß, Teamgeist und fairen Kampf. Was sich jedoch derzeit in den Verhandlungszimmern der Sportgerichte im Kreis Köln abspielt, hat mit sportlichem Wettbewerb leider nur noch wenig zu tun. Unser Verein, der SC West Köln, droht dabei zum tragischen Opfer einer bürokratischen Posse par excellence zu werden.

Der Hintergrund: Ein Urteil mit verheerender Signalwirkung

Zum Verständnis der aktuellen Lage: Am 7. Juni 2026 wurde die Kreisliga-A-Partie zwischen dem FC Pesch II und dem ESV Olympia Köln in der Nachspielzeit vom Unparteiischen abgebrochen, da dieser sich von einem Akteur bedroht fühlte. Fast einen Monat später, am 5. Juli, entschied das Bezirkssportgericht in zweiter Instanz, dass die Partie neu angesetzt werden muss. Die Begründung, der Schiedsrichter habe „nicht alle Mittel ausgeschöpft“, um das Spiel fortzuführen, hinterlässt nicht nur bei uns einen fassungslosen Eindruck.

In Zeiten, in denen Verbände händeringend um Schiedsrichternachwuchs werben und Gewalt an Pfeife und Fahne beklagen, ist dieses Urteil ein fatales Signal. Es schiebt den „Schwarzen Peter“ demjenigen zu, der in Sekundenbruchteilen und unter Druck eine rechtssichere Gefahrenanalyse hätte erstellen sollen.

Wettbewerbsverzerrung ersten Grades: Ein neues Spiel im Gewand der alten Saison

Das eigentliche Drama für den SC West Köln resultiert jedoch aus dem enormen zeitlichen Verzug des Urteils. Da die Entscheidung erst im Juli fiel, wurde der Stichtag des 30. Juni – das offizielle Ende der alten Spielzeit – überschritten.

Das führt nun zu einem sportlichen Kuriosum, das man getrost als Wettbewerbsverzerrung ersten Grades bezeichnen kann: Wenn am kommenden Sonntag, dem 19. Juli 2026 um 13:15 Uhr, der Wiederholungsanpfiff ertönt, stehen sich nicht die Teams der abgelaufenen Saison gegenüber. Abgewanderte Spieler, die den Klassenerhalt damals sportlich hätten sichern müssen, dürfen nicht mehr auflaufen. Stattdessen sind frische Neuzugänge spielberechtigt, die im Juni noch kein einziges Mal für ihre neuen Vereine gegen den Ball getreten haben.

Es wird also kein Spiel wiederholt – es wird ein völlig neues Spiel mit völlig veränderten Kadern inszeniert, dessen Ergebnis rückwirkend über den Abstieg und das Schicksal unseres SC West Köln entscheidet. Wir sind zum tatenlosen Zusehen verdammt, während unser Schicksal am grünen Tisch und unter verzerrten Bedingungen besiegelt wird.

Unser Appell: Pragmatismus und Größe statt Paragrafenreiterei!

Eine faire und pragmatische Lösung läge in einer Ausnahmesituation wie dieser eigentlich auf der Hand: Eine Aufstockung der Liga für die kommende Spielzeit. Anstatt den Druck vom Kessel zu nehmen und die betroffenen Vereine in der Liga zu belassen, flüchtet sich der Fußballkreis jedoch in bürokratische Warteschleifen. Eine Aufstockung könne erst nach dem Nachholspiel diskutiert werden – danach müsse erst ein zehnköpfiges Gremium tagen.

Wir als SC West Köln stehen für den Sport, für das Miteinander und für echtes Fairplay. Wir fordern die Verantwortlichen des Verbandes auf, in dieser verfahrenen Situation Größe zu zeigen und den Amateurfußball nicht durch Paragrafenreiterei ad absurdum zu führen.

Egal, wie das Spiel am Sonntag ausgeht und wie die bürokratischen Mühlen weitermahlen: Wir halten zusammen. Der wahre Verlierer dieser Posse steht leider jetzt schon fest – es ist die Glaubwürdigkeit unseres geliebten Sports an der Basis.

Wir halten euch über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden!

Euer Vorstand & Eure Redaktion des SC West Köln